Kinder als Angehörige auf der Intensivstation

Empfehlungen zur Vorbereitung von Kinderbesuchen auf Erwachsenenintensivstationen

Am 8. Ludwigsburger Fachpflegesymposium beschäftigten sich Referenten mit der Angehörigenarbeit auf der Intensivstation. Angehörige sind für kritisch erkrankte Patienten eine wichtige Stütze und der zwischenmenschliche Kontakt ist förderlich für seine Genesung. Dies gilt insbesondere auch für Angehörige, die eine Intensivstation besuchen. Gerade für Kinder ist der Besuch auf einer Intensivstation sehr schwierig und sollte deshalb gut vorbereitet werden. Denn die Kinder könnten durch den Anblick eines entstellten oder an vielen Geräten und Kabeln angeschlossenen Erwachsenen traumatisiert werden. Um die Kinder darauf vorzubereiten, fehlt nicht selten ein geeigneter und kindgerechter Aufenthalts- oder Warteraum. Diesem Thema nehmen sich meist die Pflegekräfte an, denn bei dem aus mehreren Berufsgruppen bestehenden Team auf Station sind es häufig sie, die für die Gestaltung und Begleitung der Angehörigenbesuche verantwortlich sind.

Weiterbildungsteilnehmer des Kurses Anästhesie und Intensivpflege haben dazu einen kreativen Lunch-Workshop angeboten. Die Teilnehmer des Fachpflegesymposiums griffen das Tabuthema der Kinderbesuche auf und stellten es lösungsorientiert dar. Im interaktiven Workshop animierten sie die Teilnehmenden zur Diskussion der als kritisch empfundenen Aspekte von Kinderbesuchen auf Intensivstationen. Der Workshop zeigte auf, wie ein geeigneter und kindgerechter Aufenthalts- oder Wartebereich aussehen soll, um Kinder auf einen solchen Besuch gut vorzubereiten. Informationsflyer für Angehörige wurden ebenso gestaltet wie ein wissenschaftlich aufbereiteter Informationsparcour und ein kindgerechtes Poster. Dabei wurden auch die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V. (DIVI) berücksichtigt, die eine wissenschaftliche Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland ist. Die DIVI-Empfehlungen wurden im Rahmen eines Vortrags von Marina Ufelmann, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Anästhesie- und Intensivpflege im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, vorgestellt.

Die ICU-Kids Arbeitsgruppe veröffentlichte im Dezember 2022 unter dem Dach der DIVI den Leitfaden „Kinder als Angehörige und Besuchende auf Intensivstationen, pädiatrischen Intensivstationen, IMC-Stationen und in Notaufnahmen“. Der Leitfaden, der zehn Empfehlungen zur Handhabung von Kinderbesuchen auf den Erwachsenenintensivstationen beinhaltet, ist eine Hilfestellung für Pflegekräfte und Ärzte auf Intensiv- und Intermediate-Care-Stationen und in Notfallambulanzen. Die Empfehlungen, an welchen Professor Tilmann Müller-Wolff, Leiter der RKH Akademie, und Denise Schindele, Leiterin der Fachweiterbildung in der RKH Akademie, ebenfalls mitgewirkt haben, erlangten bereits internationale Aufmerksamkeit durch unterschiedliche Publikationen in renommierten Fachzeitschriften. Die ICU-Kids Projektleiterin Maria Brauchle bedankte sich bei den Weiterbildungsteilnehmern für die kreative Umsetzung für die Pflegepraxis.

Das Ludwigsburger Fachpflegesymposium ist ein renommiertes, jährlich stattfindendes Symposium, das überregional Teilnehmer und Referenten anzieht. Beim vergangenen 8. Fachpflegesymposium reisten die Referenten von Bad Oeyenhausen, München, Mannheim, Ingolstadt, Reutlingen und natürlich Ludwigsburg an. Die weiteren Vorträge beschäftigten sich mit pflegerelevanten Perspektiven der Frühmobilisation, extrakorporalen Verfahren, interprofessioneller Zusammenarbeit und Ausnahmesituationen rund um die Anästhesie-, Intensiv- und Notfallpflege und boten Gelegenheit zum interprofessionellen und interdisziplinären Austausch.